Kampf gegen Krebs

Kampf gegen Krebs

Das Leben von Krebspatienten verbessern – das ist das Ziel der Onkologie-Forschung bei Bayer. Dabei entwickeln die Bayer-Forscher gemeinsam mit externen Partnern neue Therapieansätze.

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Ein Video mit den beiden Krebs-Forschern in Heidelberg finden Sie hier.

„Niemals werde ich den Augenblick vergessen, in dem mein bester Freund vom Tod seiner Mutter erfahren hat. In dem Moment waren wir zusammen in der Schule“, erinnert sich Dr. Rafael Carretero. Rafael und Francisco waren wie Brüder. Sie wohnten in unmittelbarer Nachbarschaft im spanischen Grenada, spielten Fußball auf der Straße, verbrachten die Sommer gemeinsam mit ihren Eltern abwechselnd beim Wandern in der Sierra Nevada oder am Strand von La Herradura. Dann musste Rafael miterleben, wie die warmherzige und lebensfrohe Mutter seines besten Freundes unter den Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie litt und viel zu früh an Brustkrebs verstarb. „Das hat mir sehr stark zugesetzt und zu der Entscheidung geführt, mein Leben dem Kampf gegen Krebs zu widmen – damit andere dieses Schicksal nicht erleiden müssen“, sagt der 33-jährige Bayer-Forscher.

Wir wollen Therapien entwickeln, durch die der Körper der Patienten die Krebszellen selbst erkennt und bekämpft, ohne dass gesunde Zellen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dr. Rafael Carretero, Bayer-Krebsforscher

Heute ist der Molekularbiologe wissenschaftlicher Manager des gemeinsamen Labors von Bayer und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Die zwölf Mitarbeiter im 6. Stock des hochmodernen DKFZ-Gebäudes in Heidelberg erforschen, wie das körpereigene Immunsystem gezielt für die Bekämpfung von Tumorzellen reaktiviert werden kann. Das war schon Thema von Carreteros Promotion am Hospital Universitario Virgen de las Nieves in Granada. Der Kampf gegen Krebs zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. „Wir wollen Therapien entwickeln, durch die der Körper der Patienten die Krebszellen selbst erkennt und bekämpft, ohne dass gesunde Zellen in Mitleidenschaft gezogen werden“, sagt der Wissenschaftler.

Mittlerweile sind die Fragestellungen meist so komplex, dass kaum noch jemand dazu in der Lage ist, sie allein zu lösen.

Dr. Ruth Wellenreuther, Alliance Managerin am DKFZ

Das Besondere an dem Labor in Heidelberg: Hier arbeiten Forscher von Bayer und dem DKFZ Schulter an Schulter. „So können wir neue Forschungsergebnisse möglichst früh aufgreifen und in die Medikamentenentwicklung überführen“, sagt Dr. Ruth Wellenreuther, Alliance Managerin am DKFZ. „Denn mittlerweile sind die Fragestellungen meist so komplex, dass kaum noch jemand dazu in der Lage ist, sie allein zu lösen. Unsere Wissenschaftler identifizieren potenzielle Angriffsziele für neue Medikamente – und Bayer verfügt über große Sammlungen von Substanzen und Antikörpern“, so die Biologin. „Die Expertisen beider Partner greifen dabei wie ein Reißverschluss ineinander. So kommen wir schneller zum Ziel.“

8,2 Mio.

Menschen starben im Jahr 2012 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO an Krebs. Bei 14,1 Millionen Menschen wurde in dem Jahr Krebs neu diagnostiziert.

5 Jahre

Mit der Diagnose Krebs lebten im Jahr 2012 nach WHO-Angaben weltweit 32,6 Millionen Menschen seit fünf Jahren.

Quelle: International Agency for Research on Cancer, World Health Organization

Das gemeinsame Labor ist Teil der Partnerschaft, die seit 2009 besteht. Wellenreuther hat deren Grundlagen mit entwickelt. „Das ist eine Kooperation auf Augenhöhe. Wir haben am Anfang alle strukturellen und rechtlichen Fragen unserer Zusammenarbeit geklärt und können deswegen sofort loslegen, wenn wir ein neues Angriffsziel identifiziert haben, und nach passenden Wirkstoffen suchen.“ Mit Erfolg: Seit einigen Monaten wird der erste Wirkstoff an Patienten getestet, der bei Hirntumoren und Blutkrebs helfen soll. Er erkennt Eiweiße, die nur auf Krebszellen und nur in bestimmten Patienten vorkommen. So kann eine sehr spezifische und auf den Patienten ausgerichtete Therapie entwickelt werden.

Im gemeinsamen Labor von Bayer und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg: Alliance Managerin Dr. Ruth Wellenreuther (Foto ganz oben) und Dr. Rafael Carretero.
Dr. Rafael Carretero (l.) von Bayer im Gespräch mit Dr. Ruth Wellenreuther und Dr. Stefan Pusch vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Wir arbeiten an der Entwicklung von innovativen Therapien für Menschen mit schweren Erkrankungen wie Krebs, um deren Leben zu verlängern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Prof. Dr. Andreas Busch, Leiter Drug Discovery bei Bayer

„Wir arbeiten an der Entwicklung von innovativen Therapien für Menschen mit schweren Erkrankungen wie Krebs, um deren Leben zu verlängern und ihre Lebensqualität zu verbessern“, sagt Prof. Dr. Andreas Busch, Mitglied des Executive Committee der Division Pharmaceuticals bei Bayer und Leiter Drug Discovery. „Unsere besondere Stärke liegt darin, Wirkstoffe zu erkennen und sie zum Wohl der Patienten durch alle Phasen bis hin zur Zulassung zu entwickeln.“

Gebiete der Onkologieforschung bei Bayer

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

Bestimmte Eiweiße kommen auf der Oberfläche von Krebszellen häufiger vor als auf gesunden Zellen. Bayer-Forscher entwickeln sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate – Moleküle, die solche Eiweiße erkennen. Sie docken wie ein trojanisches Pferd an die Krebszellen an und bekämpfen sie mit einem Zellgift. Ähnlich wirken Antikörper-Thorium-Konjugate, die radioaktives Thorium-227 zu den Tumorzellen transportieren. Die Alpha-Teilchen töten die Krebszellen ab. Durch Verwendung unterschiedlicher Antikörper können Konjugate für verschiedene Tumorarten entwickelt werden.

Blockade krebsspezifischer onkogener Signalwege

Eingriffe in molekulare Schlüsselprozesse von Krebszellen sollen ihre Vermehrung stoppen. Verschiedene Ansätze zielen beispielsweise auf die Blockade von Signalwegen ab, die das Absterben von Krebszellen verhindern und häufig durch Mutationen gekennzeichnet sind, sowie auf die Unterschiede in den Stoffwechselaktivitäten der Tumorzellen. Ebenso werden sogenannte Krebsstammzellen untersucht, die zur Entwicklung von Resistenzmechanismen und dem Versagen von Chemo- und Strahlentherapien führen können. Ein weiterer Ansatz fokussiert sich auf epigenetische Veränderungen, die bei bösartigen Erkrankungen eine Rolle spielen. Bayer-Forscher arbeiten daran, sie besser zu verstehen, um schädliche Modifikationen in kranken Zellen rückgängig machen zu können.

Immuno-Onkologie

Jeden Tag entstehen im Körper Krebszellen – auf Grund einer genetischen Veranlagung oder auch durch Zigarettenrauch, UV-Strahlung oder andere Umwelteinflüsse. In der Regel werden sie von Zellen des Immunsystems eliminiert. In bestimmten Fällen können sie aber der Immunabwehr entgehen und zu einem gefährlichen Tumor heranwachsen. Bayer-Forscher arbeiten vornehmlich in Kooperation mit Wissenschaftlern des DKFZ daran, dass das Abwehrsystem des Körpers Tumorzellen wieder bekämpft, ohne gesunde Zellen anzugreifen. Aufgrund der Gedächtnisfunktion des Immunsystems könnte der Ansatz zu einem lang anhaltenden Therapieerfolg führen.

Im Kampf gegen Krebs verfolgt Bayer vor allem drei Ansätze: das Blockieren von Signalwegen, die zur unkontrollierten Zellteilung führen; das Andocken von Molekülen an Krebszellen, um deren gezielte Zerstörung auszulösen; und die Aktivierung des Immunsystems, damit es die Krebszellen selbst eliminiert. Letzteres ist das Forschungsgebiet von Carretero und seinen Kollegen. „Obwohl wir immer mehr über Krebs wissen, gibt es noch viele offene Fragen“, sagt der Spanier und widmet sich den nächsten Testergebnissen aus seinem Labor. „Unser Ziel ist, dass wir Krebs heilen oder in eine chronische Krankheit überführen können, die gut behandelbar ist.“